Alain ACCARDO
1. Bourdieu lesen. Einführung in eine kritische Soziologie (2006)
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Norman BAILLARGEON
2. Ordnung ohne Macht. Geschichte und Aktualität des Anarchismus (2009)
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Jacques BOUVERESSE
3. Bourdieu, Gelehrter & Politiker (2004)
4. Ist es möglich nicht zu glauben? Über die Wahrheit, den Glauben und die Religion (2007)
5. Das Wissen des Schriftstellers. Über die Literatur, die Wahrheit und das Leben (2008)
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Alessi DELL‘UMBRIA
6. Universalgeschichte Marseilles : vom Jahr 1000 bis 2000 (2006)
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Guy HOCQUENGHEM
7. Offener Brief an jene, die von Mao zum Rotary Club übergewechselt sind (2003)
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Gérard NOIRIEL
8. Wozu dient die nationale Identität ? (2007)
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Alain Accardo – Bourdieu lesen. Einführung in eine kritische Soziologie
[Introduction à une sociologie critique. Lire Pierre Bourdieu]
Erschienen : 14/04/2006 – Preis in Frankreich : 10.00 Euro – 384 Seiten – ISBN : 2–7489-0063–4
Vorliegendes Buch ist eine hilfreiche Einführung in Lektüre und Werk Pierre Bourdieus. Es zeichnet die bourdieusche Analyse der Welt des Sozialen nach und greift dabei seine wesentlichen theoretischen Konzeptionen auf. Erläutert findet man sowohl die Begriffe des sozialen Feldes, als auch des Habitus, des Interesses, der Legitimität und andere.
Gleichzeitig aber ist Accardos Darstellung ein Aufruf zur Reflexion und soziologischen Selbstanalyse: Genau wie Bourdieu einem wissenschaftlichen Geist stets zutiefst treu blieb, der seinen Sinn und Zweck darin sah, besser zu verstehen, um besser kämpfen zu können, so soll auch dieses Buch das theoretische Arsenal derjenigen bereichern, die von der Soziologie Waffen für eine Kritik des Sozialen zu gewinnen suchen.
Schöpfend aus mehreren Jahrzehnten soziologischer Praxis an der Seite Pierre Bourdieus, verfasste Accardo hier einen Klassiker, der in Frankreich erstmals 1997 erschien und nun in überarbeiteter und aktualisierter Neuauflage vorliegt.
Alain Accardo ist französischer Soziologe algerischer Abstammung und Professor an der Universität Michel de Montaigne in Bordeaux (Bordeaux III). Als Bourdieu-Spezialist ist er Autor zahlreicher Schriften über diesen, so auch Mitautor des im Deutschen publizierten Sammelbandes Das Elend der Welt : Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft . In letzter Zeit erschien unter anderem Journalistes précaires, journalistes au quotidien (Journalisten auf der Kippe, Journalisten im Alltag, Agone 2007), eine vielbeachtete kritische Studie über die französische Welt des Journalismus.
Norman Baillargeon – Ordnung ohne Macht. Geschichte und Aktualität des Anarchismus
[L’Ordre moins le pouvoir. Histoire & actualité de l’anarchisme]
Erschienen 28/11/2008 – Preis in Frankreich : 10 Euro – 224 Seiten – ISBN : 978–2-7489–0097-2
Wenn Sie bekennen, dass Sie Anarchist sind, wird man Sie beinahe unweigerlich auch für einen Nihilisten, einen Anhänger des Chaos, ja sogar für einen Terroristen halten. Doch lassen Sie sich eines gesagt sein: nichts ist falscher als das. Diese Fehlinterpretation ist das Ergebnis einer jahrzehntelang mit viel Geschick gepflegten Verwirrung rund um die Idee des Anarchismus. In einer ersten Annäherung können wir sagen, dass der Anarchismus eine politische Theorie ist, in dessen pochenden Herzen die Idee des Antiautoritarismus wohnt, das heißt, die bewusste und wohlüberlegte Ablehnung jeglicher unbegründeter Autorität und Herrschaft. Eine alte Dame, die im spanischen Bürgerkrieg kämpfte, sprach die einfachste Sache der Welt aus: „Ich bin Anarchistin: ich möchte keine Befehle empfangen und auch keine geben.“
Ordnung ohne Macht. Geschichte und Aktualität des Anarchismus gibt einen komprimierten Einblick in die Theorie des Anarchismus: neben der Darstellung seiner Ursprünge sowie zentraler Ideen und Theoretiker (darunter Max Stirner, Michail Bakunin, aber auch Zeitgenossen wie Noam Chomsky) finden sich im Anhang eine umfassende Bibliographie und Linksammlung zum Thema.
Norman Baillargeon ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Montréal in Québec, Essayist und Mitarbeiter bei diversen kanadischen Zeitschriften. Für sein Buch Petit cours d’autodéfense intellectuelle (Crash-Kurs Intellektuelle Selbstverteidigung: Wie wir die alltägliche Manipulation aus Blenden, Täuschen und Vernebeln durchschauen, Riemann 2008) erhielt er 2005 den Prix Québec Sceptique.
Jacques Bouveresse – Bourdieu, Gelehrter & Politiker
[Bourdieu, savant & politique]
Erschienen : 17/02/2004 – Preis in Frankreich : 15.00 Euro – 192 Seiten – ISBN : 2 7489 0020 0
„Bourdieu hätte seine Zeit mit Sicherheit etwas weniger irritiert, hätte er sich mit der Rolle zufrieden gegeben, die Menschen wie ihm zugedacht ist: die des Wissenschaftlers, Innehaber eines Wissens – das in seinem Fall enorm und teilweise erschlagend war –, der seine Sonderstellung gegenüber der Realität und dem ,gemeinen’ Denken verteidigt. Doch das genau ist, was er nicht wollte. Und merkwürdig auch, dass ihm eben diese Verweigerung der klassischen Rolle des Wissenschaftlers zum Vorwurf gemacht wurde. Man hielt ihm vor, dass er es, als einer der angesehensten und in sozialer Hinsicht privilegiertesten Intellektuellen unserer Tage, vermochte, den einfachsten Menschen nahe zu bleiben. Dass wir beide uns von Anfang an sofort sympathisch fanden, liegt zu einem großen Teil schlicht in der Übereinstimmung unserer Ansichten darüber begründet, wie die gelehrte Vernunft mit dem ,Gemeinsinn’ und den ,gewöhnlichen Menschen’ umgehen muss. Bourdieu sagte, dass er sich ,in seinem Dasein als Intellektueller nie wirklich gerechtfertigt gefühlt hat zu existieren’. Und im Unterschied zu vielen anderen hat er nicht nur versucht, sondern es auch geschafft, daneben auf andere Art zu existieren.“
Dieses Buch vereint zwei heterodoxe Denker, der eine Philosoph, der andere Soziologe, beide Professoren am Collège de France. Der eine, der noch lebt, spricht vom Freund, der nicht mehr ist, von dem, was er von ihm gelernt hat, seinem Verhältnis zu Wissenschaft, Macht und Gesellschaft, genauso über ihre Meinungsverschiedenheiten und gemeinsam geführte Kontroversen.
Jacques Bouveresse ist Professor für Sprach- und Erkenntnisphilosophie am renommierten Collège de France in Paris. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Denken Wittgensteins, Musils und Kraus. Der französischen Fachwelt ist er darüber hinaus durch seine kritische Haltung gegenüber poststrukturalistischen Denkern wie Foucault, Derrida oder Deleuze bekannt.
Jacques Bouveresse – Ist es möglich nicht zu glauben ? Über die Wahrheit, den Glauben und die Religion
[Peut-on ne pas croire ? Sur la vérité, la croyance et la foi]
Erschienen : 19/01/2007 – Preis in Frankreich : 24.00 Euro – 288 Seiten – ISBN: 978–2-7489–0068-2
Eine Reihe von Intellektuellen, obwohl selber ungläubig, treten gegenwärtig als Verteidiger der Religion in Erscheinung. Doch was sich da aktuell beobachten lässt, zeugt weniger von einer „Rückkehr des Religiösen“ im eigentlichen Sinne, als von dem, was Musil als „Nostalgie des Glaubens“ bezeichnet hat. Die Glaubensüberzeugungen der anderen im Namen der Toleranz scheinbar unbesehen gutzuheißen, hat mit Religion, welcher die Idee der Wahrheit heilig ist, nichts zu tun. Sie ist vielmehr Resultat jenes postmodernen Relativismus, der etwas wie Wahrheit auf nahezu allen Gebieten verneint. Die Postmoderne auch war es, welche die Grundfesten der Wissenschaft erschütterte und somit die Freiräume schuf, welche sich die Religion nun einzunehmen eilt.
Mit kritischem Blick auf die Diskurse der Postmoderne greift der französische Philosoph Bouveresse in den drei hier versammelten Essays die komplexe Debatte über das Verhältnis zwischen Vernunft und Religion wieder auf: Welchen Sinn hat es zu glauben? Haben alle Glaubenslehren den selben Wert? Ist Glauben womöglich ein menschliches Grundbedürfnis? Welches sind nun aber die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Religion, Religion und Glauben? Im Dialog mit Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche, Ludwig Wittgenstein und anderen, untersucht Bouveresse so, welchen Platz die Vernunft der Religion heute einräumen kann.
Jacques Bouveresse ist Professor für Sprach- und Erkenntnisphilosophie am renommierten Collège de France in Paris. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Denken Wittgensteins, Musils und Kraus. Der französischen Fachwelt ist er darüber hinaus durch seine kritische Haltung gegenüber poststrukturalistischen Denkern wie Foucault, Derrida oder Deleuze bekannt.
Jacques Bouveresse – Das Wissen des Schriftstellers. Über die Literatur, die Wahrheit und das Leben
[La Connaissance de l’écrivain. Sur la littérature, la vérité & la vie]
Erschienen : 15/02/2008 – Preis in Frankreich : 22.00 Euro – 240 Seiten – ISBN : 978–2-7489–0082-8
Eine der auffälligsten Konsequenzen postmoderner Literaturkonzeptionen ist, dass sie die Aufmerksamkeit von einem entscheidenden Fragekomplex ablenken: Warum brauchen wir die Literatur zusätzlich zu Wissenschaft und Philosophie, wenn es darum geht, bestimmte unserer Probleme zu lösen? Was für eine Form der Wahrheit finden wir in einem Roman, die weder das tägliche Leben noch eine wissenschaftliche Studie vermittelt? Inwiefern kann man in der Literatur überhaupt von Wahrheit sprechen?
In vorliegendem Essay lässt Bouveresse Ideen zeitgenössischer Philosophen wie Putnam oder Nussbaum jenen Zolas, Henry James und Prousts begegnen, um Antworten zu geben, auf die Frage nach der Spezifität des Zugangs der Literatur zu Wissen und Wahrheit und dem Grund ihrer Unersetzbarkeit.
Jacques Bouveresse ist Professor für Sprach- und Erkenntnisphilosophie am renommierten Collège de France in Paris. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Denken Wittgensteins, Musils und Kraus. Der französischen Fachwelt ist er darüber hinaus durch seine kritische Haltung gegenüber poststrukturalistischen Denkern wie Foucault, Derrida oder Deleuze bekannt.
Alessi Dell’Umbria – Universalgeschichte Marseilles : vom Jahr 1000 bis 2000
[Histoire universelle de Marseille. De l’an mil à l’an deux mille]
Erschienen 15/09/2006 – Preis in Frankreich : 28.00 Euro – 792 Seiten – ISBN : 2–7489-0061–8
Die Universalgeschichte Marseilles erzählt von den politischen, ökonomischen und kulturellen Ereignissen, welche die Stadt vom Jahr 1000 bis ins Jahr 2000 gesäumt haben. Doch liefert Dell’Umbria mehr als das Porträt einer faszinierenden Stadt: die mediterrane Handels- und Hafenstadt Marseille, geprägt durch die okzitanische Kultur und als Anlaufstelle zahlreicher Einwanderer Sammelbecken verschiedenster Kulturen, kann auf eine lange Tradition kommunaler Autonomie und eine reiche Emanzipationsgeschichte vom erstarkenden Nationalstaat zurückblicken.
Dell’Umbria zeichnet den Prozess nach, innerhalb dessen die mittelalterliche Stadt zunehmend an politischer, kultureller und sprachlicher Autonomie gegenüber dem Zentralstaat einbüßen musste. Die Geschichte Marseilles wird so gesehen „universell“, da sie eine Entwicklung veranschaulicht, die sich ähnlich in vielen Städten Frankreichs zugetragen hat.
Damit ist vorliegendes Buch recht eigentlich auch die Geschichte des französischen Zentralismus – betrachtet von Marseille aus – und eine Analyse der widersprüchlichen Beziehungen einer Stadt zum Nationalstaat und schließlich zur Globalisierung.
Der Historiker und Autodidakt Alessi Dell’Umbria ist eng verbunden mit dem Lebensalltag Marseilles: hier wuchs er auf und ist heute engagierter Bürger seines Stadtviertels La Plaine, Streiter für die Belange der okzitanischen Kultur und Mitarbeiter bei verschiedenen sozialkritischen Magazinen.
Guy Hocquenghem – Offener Brief an jene, die von Mao zum Rotary Club übergewechselt sind
[Lettre ouverte à ceux qui sont passés du col Mao au Rotary]
Erschienen : 16/04/2003 – Preis in Frankreich : 15.00 Euro – 208 Seiten – ISBN : 2–7489-0005–7
Bevor er 41-jährig an Aids starb, hat Guy Hocquenhem mit seinem Offenen Brief an jene, die von Mao zum Rotary Club übergewechselt sind das französische Intellektuellenmilieu der 68er-Generation noch einmal ordentlich aufgescheucht: „Liebe Ex-Mitstreiter“, so eröffnet er sein Pamphlet, in dem er in messerscharfer Weise mit einer Reihe seiner alten Freunde – André Glucksmann, Pascal Bruckner, Bernard-Henri Lévy oder Daniel Cohn-Bendit, um nur einige zu nennen – abrechnet: „Ex-Linke“, „Ex-Revolutionäre“ [...], Nestbeschmutzer und Verräter der ehemals geteilten Ideale, heute selber lebend, was sie damals anprangerten, kritisierten und vernichten wollten: das Geld, die Wirtschaft, das Militär…
In diesem vor rund zwanzig Jahren entstandenen Werk blickt der linksradikale, homosexuelle 68er-Aktivist Guy Hocquenhem, Philosophieprofessor und langjährige Redakteur der Libération, zurück auf die französische Gegenkultur der 70er Jahre, ihr Milieu und ihre Protagonisten. Ein Rückblick der, in einer Zeit, in der ein Großteil der 68er-Protagonisten das Ruder der sozialen Kräfte noch immer fest in der Hand habT, von ungebrochener Aktualität ist.
Erstmals publiziert 1986 bei Albin Michel, erschien 2003 die Neuauflage bei Agone mit einem Vorwort von Serge Halimi, Journalist der Zeitung Le Monde Diplomatique. Auf Deutsch von Hocquenhem liegen bereits vor die Romane Eva, Das homosexuelle Verlangen und Der Zorn des Lammes.
Gérard Noiriel – Wozu dient die nationale Identität ?
[À quoi sert « l’identité nationale »]
Erschienen : 26/10/2007 – Preis Frankreich : 12.00 Euro – 156 Seiten – ISBN : 978— 2–7489-0080–4
Während der Wahlkampf-Kampagne für die französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2007 bediente sich der jetzige französische Staatschef Nicolas Sarkozy in auffallender Weise des Themas der „nationalen Identität“. Zudem kündigte er die Einrichtung eines Ministeriums für „Immigration und nationale Identität“ an, ein Novum in der Geschichte der französischen Republik, das Sarkozy, kaum im Amt, trotz heftiger Proteste im In- und Ausland in die Tat umsetzte.
Im Kontext dieses Protests steht vorliegender Essay. Noiriel erläutert die historische Entwicklung der Konzepte nationaler Identität und zeigt, wie diese seit ihrem Aufkommen im 19. Jahrhundert kontinuierlich die politischen Diskurse Europas genährt haben. Er ruft in Erinnerung, wie die rechtspopulistische Politik Jean-Marie Le Pens in den 80er Jahren mit Hilfe des um Nation und Identität kreisenden Vokabulars die französischen Einwanderer stigmatisierte und analysiert schließlich die gegenwärtige Rhetorik Sarkozys.
Mit diesem historisch fundierten Essay gibt uns Noiriel Mittel an die Hand, die neuen Strategien, die heute auf der politischen Bühne unseres Nachbars wirken, besser verstehen zu können.
_Noiriel ist Professor für Sozialgeschichte an der Pariser Elitehochschule École Normale Supérieure und Mitarbeiter des renommierten Forschungskollegs für Sozialwissenschaften EHESS (École des hautes études en sciences sociales).
Mit dem 1988 erschienenen Werk_ Le creuset français schuf er ein Grundlagenwerk zur französischen Geschichte der Immigration. Im Deutschen erschienen ist bereits La Tyrannie du national. Le droit d’asile en Europe. 1793–1993 (Die Tyrannei des Nationalen. Sozialgeschichte des Asylrechts in Europa, Zu Klampen Verlag,_ Lüneburg 1994)._

